Wo immer Neil Harbisson auftaucht, löst er Diskussionen aus. Der 35-jährige Brite ist der erste offiziell von der Regierung anerkannte Cyborg. Und Hauptact der diesjährigen Volvo Art Session.

«When human meets digital» ist bei Neil Harbisson Lebensmotto

Oder ist es eher “when digital meets human”? Der mit einer Farbenblindheit geborene Brite wurde nicht von heute auf morgen zum Cyborg. Vielmehr war es ein Prozess, in dem technische Geräte zu einem definierenden Teil seiner Persönlichkeit wurden. Wenn Neil Harbisson Auftritt, dann ist dies eine Show, die einem nicht nur staunen lässt, sondern auch ein Blick in die Möglichkeiten der Zukunft gibt. Und dies auf sehr unterhaltsame Art und Weise.

Eine Performance der witzigen Art..

..sind Neil Harbissons Klangportraits von Prominenten. Auch von der englischen Königsfamilie. Besonders erfreuten ihn die Farben von Prinz Charles, der ein sehr ausgeglichenes Gesicht haben soll. Aber er portraitierte unter anderem auch Moby, Leonardo DiCaprio, Woody Allen, Daniel Radcliffe und Robert De Niro:

Neil Harbisson und Robert De Niro

Bei allem Spass kommt die Ernsthaftigkeit des Themas nicht zu kurz. Dazu gehören auch grundsätzliche Fragen wie zum Beispiel die Ethik der Kybernetik, die Neil Harbisson als Cyborg-Aktivist beschäftigen. Klar ist: Die Welt der Bio-Tec steht erst am Anfang.

Harbisson selbst ist seit 2003 ein Cyborg. Zusammen mit dem Kybernetik-Pionier Adam Montandon entwickelte er wegen seiner Farbenblindheit eine Antenne und liess sich diese in seinen Schädel implantieren, um Farben hören zu können. Zuerst musste Harbisson lernen, welche Lichtwellen welche Klänge erzeugen. Schliesslich begann Harbisson in Farben zu denken und zu träumen. So wurde die künstlich erzeugte Information zum Teil seiner Wahrnehmung.